Mit dem ersten Advent wird für manch eine*n die Zeit des Rückzugs, der Besinnung und des Ansammelns von Kalorien für den entbehrungsreichen Winter eingeläutet. Es gibt aber auch zahlreiche Möglichkeiten, die „stade Zeit“ gänzlich antizyklisch zu begehen. Eine davon ist es, unserer Einladung in die Karibik zu folgen, die vom 29.11. bis zum 03.12. auch ohne Flugticket auf Münchens Kinoleinwänden zu sehen sein wird. Genauer gesagt sind es die Großen Antillen, die in der diesjährigen Edition der Lateinamerikanischen Filmtage mit sieben Werken im Werkstattkino und dem Instituto Cervantes nach München gebracht werden.

Kuba, Puerto Rico, die Dominikanische Republik sowie ein Blick auf die haitianische Community in Chile stehen auf dem Programm. Jenseits der geographischen Klammer handelt es sich um sieben gegensätzliche Spiel- und Dokumentarfilme, die alle in den letzten Jahren erschienen sind, teilweise noch ihre ersten kritischen Verwertungskreisläufe zwischen den roten Teppichen der Filmfestivals und der Unscheinbarkeit im Off der öffentlichen Aufmerksamkeit durchlaufen.

Es sind sieben sehenswerte Filme, die so manche Erwartung an das lateinamerikanische Kino gegen den Strich bürsten. Doch obwohl die Zeit, in der man die Welt noch bequem nach Zahlen aufteilen konnte, passé ist, findet sich in den Filmen, die wir Ihnen präsentieren, ein Widerhall der „Eztétyka da Fome“ („Ätzthetyk des Hungers“), die der brasilianische Kultregisseur Glauber Rocha dem lateinamerikanischen Film 1965 attestierte und auf die Fahnen schrieb. Kein Bacardi Feeling. Keine Buena Vista Social Club-Romantik. Kein Fluch der Karibik. Höchstens ein paar fluchende Insulaner*innen. Ohne sich im Miserabilismus zu suhlen, bieten die sieben Filme neue Antworten auf sehr alte Fragen und neue Fragen an gesichert geglaubte Antworten. Und sie verzichten weitestgehend auf jene formale Exotik, die laut Rocha die europäische Nostalgie nach einem primitiven tropischen Surrealismus befriedige.

Es sind Inszenierungen lateraler Migrationsrouten in den Norden, die in EL SILENCIO DEL VIENTO spannungsreich aufscheinen. Es sind die haitianischen Einwanderer in Chile, die bei ihrer gegenläufigen Odyssee in PETIT FRÈRE zu Wort kommen , einem taufrischen Dokumentarfilm sui generis. Es sind die fünf klassischen Akte von COCOTE, in welchen das nicht minder klassische Thema der Blutfehde mit gewaltigen Bildern aus der Dominikanischen Republik neu verhandelt wird. Es sind schließlich und vor allem auch Stellungnahmen zur schwierigen kubanischen Kondition, die in SANTA Y ANDRÉS retrospektiv und mit narrativer Meisterschaft skizziert wird. Es ist auch das gegenwärtige Kuba der beiden Dokumentarfilme CANTOS (DOK.fest feature) und CASA BLANCA, der paradoxe Alltag einer paradoxen Insel, die mit Entbehrungen und Repressionen umzugehen gelernt hat. Und es sind nicht zuletzt drei Damen aus Havanna, die in VENECIA aus ihrem Alltag ausbrechen.

Bleibt uns nur, Ihnen eine gute Winterreise in die Karibik zu wünschen.

¡Buen viaje!

Collage aller Filme des Lateinamerikanischen Filmfestes München

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Bro­schü­re

Orte

Werkstattkino

Fraunhoferstraße 9 RGB
80469 München

U1/U2: Fraunhoferstraße
Tram 18: Müllerstraße

Instituto Cervantes

Alfons-Goppel-Straße 7
80539 München

U3/U6, U4/U5: Odeonsplatz
Tram 19/Tram 21: Nationaltheater

Eintritt

  • Filme im Werkstattkino: 6,00 € | Karten nur an der Abendkasse, keine Ermäßigungen
  • Filme im Instituto Cervantes: Eintritt frei

Einlass: jeweils 15 min. vor Filmbeginn, keine Reservierungen möglich

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